Arthrose kann alltägliche Bewegungen erschweren. Das Knie schmerzt beim Treppensteigen, die Hüfte fühlt sich nach längerem Sitzen steif an oder die Finger lassen sich morgens nur schwer bewegen. Aus Sorge vor Schmerzen reduzieren manche Betroffene ihre körperliche Aktivität, wodurch die Beschwerden zusätzlich verstärkt werden können.
Physiotherapie kann bei Arthrose helfen, die Beschwerden zu lindern und die Funktionsfähigkeit des betroffenen Gelenks zu unterstützen. Welche Maßnahmen dafür geeignet sind und wie die Belastung angepasst wird, hängt von der individuellen Situation ab. Einen bereits geschädigten Gelenkknorpel kann Physiotherapie jedoch nicht wiederherstellen.

Welche Ziele hat die Physiotherapie bei Arthrose?
Bei Arthrose verändern sich nicht nur der Gelenkknorpel, sondern auch andere Strukturen des Gelenks. Wie stark die Beschwerden sind, lässt sich jedoch nicht allein am Ausmaß dieser Veränderungen erkennen. Manche Menschen haben trotz ausgeprägter Gelenkveränderungen nur geringe Einschränkungen, während andere bereits bei weniger ausgeprägten Veränderungen unter Schmerzen und Steifheit leiden.
Aus Angst vor einer weiteren Schädigung versuchen Betroffene häufig, das Gelenk zu schonen. Eine dauerhafte Schonung kann jedoch dazu führen, dass die Muskeln schwächer werden und das Gelenk an Beweglichkeit verliert. Richtig dosierte Bewegung führt nicht automatisch zu einer weiteren Schädigung. Sie kann vielmehr dazu beitragen, die Funktion des Gelenks möglichst lange zu erhalten.
Die konkreten Ziele richten sich nach dem betroffenen Gelenk, den Beschwerden und den Anforderungen im Alltag. Im Mittelpunkt stehen häufig:
- die Beweglichkeit zu erhalten oder zu verbessern;
- Schmerzen und Steifheit zu verringern;
- die Muskulatur rund um das Gelenk zu kräftigen;
- Gleichgewicht und Koordination zu fördern;
- die körperliche Belastbarkeit zu erhöhen;
- alltägliche Bewegungen wieder sicherer auszuführen.
Bei einer Kniearthrose kann es beispielsweise darum gehen, leichter aufzustehen oder Treppen zu steigen. Bei einer Hüftarthrose stehen möglicherweise längeres Gehen, das Anziehen oder das Aufstehen nach längerem Sitzen im Vordergrund. Sind die Hände betroffen, können Beweglichkeit und Greiffunktion eine besondere Rolle spielen.
Was macht ein Physiotherapeut bei Arthrose?
Zu Beginn fragt der Physiotherapeut, wann die Beschwerden auftreten und welche Tätigkeiten besonders schwerfallen. Auch die bisherige körperliche Aktivität, mögliche Vorerkrankungen und persönliche Ziele spielen eine Rolle. Wer wieder längere Spaziergänge machen möchte, benötigt möglicherweise eine andere Behandlung als jemand, der vor allem bei der Arbeit oder im Haushalt eingeschränkt ist.
Anschließend überprüft der Physiotherapeut unter anderem die Beweglichkeit, Muskelkraft und Stabilität des betroffenen Gelenks. Bei Bedarf beurteilt er auch das Gangbild oder beobachtet einen konkreten Bewegungsablauf aus dem Alltag. So lässt sich erkennen, welche körperlichen Funktionen eingeschränkt sind und wo die Behandlung ansetzen kann.
Auf Grundlage dieser Untersuchung wählt der Physiotherapeut geeignete Übungen aus. Er erklärt und demonstriert die Bewegungen, kontrolliert ihre Ausführung und korrigiert mögliche Fehler. Die Auswahl und Schwierigkeit der Übungen werden an die körperlichen Voraussetzungen des Patienten angepasst.
Zur Behandlung gehört außerdem die Beratung für den Alltag. Der Physiotherapeut erklärt, wie das Gelenk angemessen belastet werden kann, und stellt bei Bedarf ein Übungsprogramm für zu Hause zusammen. Dabei wird darauf geachtet, dass sich die Übungen regelmäßig und realistisch in den Tagesablauf integrieren lassen.
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Welche Übungen und Behandlungen kommen infrage?
Eine für alle Formen der Arthrose geeignete Standardübung gibt es nicht. Je nachdem, welches Gelenk betroffen ist und welche Einschränkungen bestehen, stellt der Physiotherapeut ein individuelles Bewegungsprogramm zusammen.
Folgende Bestandteile können miteinander kombiniert werden:
- Beweglichkeitsübungen
Kontrollierte Bewegungen können einer zunehmenden Steifheit entgegenwirken und dazu beitragen, den verfügbaren Bewegungsumfang zu erhalten. Das Gelenk wird dabei in einem gut verträglichen Bereich bewegt, ohne Bewegungen zu erzwingen. - Kräftigungsübungen
Eine kräftige Muskulatur kann das betroffene Gelenk unterstützen und stabilisieren. Bei Kniearthrose wird beispielsweise häufig die Oberschenkelmuskulatur trainiert. Bei Hüftarthrose können Übungen für die Gesäß-, Hüft- und Beinmuskulatur sinnvoll sein. Schwierigkeit und Widerstand werden an die vorhandene Kraft und die Beschwerden angepasst. - Koordinations- und Gleichgewichtstraining
Schmerzen und längere Schonung können dazu führen, dass Bewegungen unsicherer werden. Koordinations- und Gleichgewichtsübungen können die Körperkontrolle fördern und mehr Sicherheit beim Gehen vermitteln. Werden sie im Stehen ausgeführt, sollte bei Bedarf eine stabile Möglichkeit zum Festhalten vorhanden sein. - Ausdauertraining
Gleichmäßige Aktivitäten wie Gehen, Radfahren, Schwimmen oder Wassergymnastik können die allgemeine Belastbarkeit fördern. Bei der Auswahl werden das betroffene Gelenk und der allgemeine Gesundheitszustand berücksichtigt. - Manuelle Techniken
Bestimmte Handgriffe können dazu dienen, das Gelenk vorsichtig zu mobilisieren oder Beschwerden vorübergehend zu lindern. Ob sie infrage kommen, entscheidet der Physiotherapeut anhand des Befunds und des jeweiligen Behandlungsziels. - Wärme- und Kälteanwendungen
Manche Menschen empfinden Wärme bei Muskelverspannungen und Steifheit als angenehm. Bei einer akuten Reizung kann Kälte vorübergehend wohltuend sein. Welche Anwendung besser vertragen wird, ist individuell verschieden.
Manuelle Techniken sowie Wärme- und Kälteanwendungen können die Behandlung ergänzen. Im Mittelpunkt der Physiotherapie steht jedoch ein aktives Bewegungsprogramm, das Kraft, Beweglichkeit und körperliche Belastbarkeit langfristig fördern soll.

Wie wird die Belastung an die Beschwerden angepasst?
Übungen bei Arthrose dürfen anstrengend sein. Gerade zu Beginn können ungewohnte Bewegungen leichten Muskelkater oder vorübergehende Beschwerden auslösen. Das bedeutet nicht automatisch, dass das Gelenk geschädigt wurde. Entscheidend ist, wie stark die Reaktion ausfällt und wie lange sie anhält.
Ein praktischer Orientierungspunkt ist die Reaktion nach dem Training: Lassen die Beschwerden bald wieder nach, war die Belastung meist gut verträglich. Bleiben deutlich stärkere Schmerzen bestehen, schwillt das Gelenk an oder sind die Beschwerden am nächsten Tag wesentlich ausgeprägter, sollte das Training angepasst werden. Dazu lassen sich beispielsweise die Zahl der Wiederholungen, der Widerstand, der Bewegungsumfang oder die Trainingsdauer verringern. Ungewöhnlich starke Schmerzen oder eine ausgeprägte Schwellung sollten ärztlich oder physiotherapeutisch abgeklärt werden.
Auch die Tagesform spielt eine Rolle. An einem guten Tag ist möglicherweise mehr Bewegung möglich, bei stärkeren Beschwerden kann eine leichtere Variante gewählt werden. Vollständige Ruhe ist nicht immer erforderlich: Häufig lässt sich die Belastung reduzieren, ohne ganz auf Bewegung zu verzichten.
Wichtig sind Regelmäßigkeit und ein schrittweiser Aufbau. Ziel ist nicht, möglichst schnell besonders intensiv zu trainieren, sondern ein gut verträgliches Maß zu finden und die Belastung nach und nach zu steigern. Der Physiotherapeut hilft dabei, die Übungen an die Reaktion des Gelenks anzupassen und einen realistischen Trainingsplan für den Alltag zu entwickeln.
Fazit
Ja, ein Physiotherapeut kann bei Arthrose helfen. Ein individuell angepasstes Bewegungsprogramm kann Schmerzen lindern, die Beweglichkeit fördern und alltägliche Aktivitäten erleichtern. Entscheidend ist, dass die Übungen regelmäßig durchgeführt und an die Beschwerden sowie die körperlichen Möglichkeiten angepasst werden. Physiotherapie kann die Arthrose zwar nicht heilen, aber dazu beitragen, die Funktion des betroffenen Gelenks und die Selbstständigkeit im Alltag möglichst lange zu erhalten.
Quellen
- WMF: S3-Leitlinie Gonarthrose
- Cochrane: Ist eine Bewegungstherapie eine wirksame Behandlungsmaßnahme bei Kniearthrose?
- Gesundheitsinformation.de: Was kann ich selbst tun, um meine Knie zu stärken?
- Gesundheitsinformation.de: Hüftarthrose – Was kann ich selbst für meine Hüftgelenke tun?
- Gesund.bund.de: Physiotherapie
- Deutsche Rheuma-Liga: Arthrose – Symptome, Ursachen, Therapie
- Cochrane: Ergänzende Therapiemaßnahmen zur Bewegungstherapie bei Hüft- oder Kniearthrose
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