Schmerzen und Verspannungen im Nacken können das Drehen oder Neigen des Kopfes deutlich erschweren. Auch längeres Sitzen, die Arbeit am Computer oder bestimmte Bewegungen werden dadurch häufig unangenehm. Welche physiotherapeutische Behandlung geeignet ist, hängt davon ab, wie sich die Beschwerden äußern, welche Bewegungen eingeschränkt sind und wie gut der Nacken belastet werden kann.
Was bedeutet HWS-Syndrom?
Die Abkürzung HWS steht für Halswirbelsäule. Sie besteht aus sieben Wirbeln und bildet den beweglichen oberen Abschnitt der Wirbelsäule. Gemeinsam mit Muskeln, Bändern und Gelenken trägt sie den Kopf und ermöglicht Bewegungen wie Drehen, Neigen und Beugen.

Der Begriff HWS-Syndrom bezeichnet kein einzelnes, klar abgegrenztes Krankheitsbild. Vielmehr werden darunter unterschiedliche Beschwerden im Bereich der Halswirbelsäule zusammengefasst. Dazu gehören vor allem:
- Schmerzen im Nacken;
- eine eingeschränkte Beweglichkeit des Kopfes;
- verspannte oder druckempfindliche Muskeln;
- Beschwerden im Schulterbereich;
- Kopfschmerzen, die zusammen mit Nackenbeschwerden auftreten.
Die Beschwerden können plötzlich beginnen oder sich über einen längeren Zeitraum entwickeln. Bei manchen Menschen stehen Schmerzen im Vordergrund, bei anderen sind es Steifheit, Muskelverspannungen oder Schwierigkeiten bei bestimmten Bewegungen.
Auch die möglichen Auslöser sind unterschiedlich. Eine lange gleichbleibende Haltung, ungewohnte Bewegungen oder einseitige Belastungen können eine Rolle spielen. Häufig lässt sich jedoch keine einzelne Ursache feststellen. In diesem Fall wird von nicht-spezifischen Nackenschmerzen gesprochen.
Der Begriff HWS-Syndrom ist weiter gefasst und kann auch Beschwerden mit einer konkreten Ursache umfassen. Die Empfehlungen in diesem Artikel beziehen sich deshalb vor allem auf häufige, nicht-spezifische Nackenbeschwerden, bei denen keine ernsthafte Erkrankung oder Verletzung festgestellt wurde.
Diese Unterscheidung ist für die Physiotherapie wichtig. Nicht jeder Patient benötigt dieselben Übungen oder Behandlungstechniken. Welche Maßnahmen geeignet sind, richtet sich nach der Diagnose, den vorhandenen Einschränkungen und der persönlichen Belastbarkeit.
Welche Ziele hat die Physiotherapie beim HWS-Syndrom?
Physiotherapie soll nicht nur kurzfristig für Entspannung sorgen. Sie kann dazu beitragen, Bewegungen wieder sicherer und angenehmer auszuführen und die Belastbarkeit des Nackens schrittweise zu verbessern.
Welche Ziele im Vordergrund stehen, hängt von den Beschwerden ab. Bei einer eingeschränkten Beweglichkeit kann es zunächst darum gehen, den Kopf wieder leichter zu drehen oder zu neigen. Bei länger anhaltenden Beschwerden gewinnen häufig die Kräftigung der Muskulatur und die Kontrolle der Bewegungen an Bedeutung.
Dabei wird nicht nur der Nacken betrachtet. Auch Schultern, Schulterblätter, Brustwirbelsäule und oberer Rücken können die Bewegungsabläufe beeinflussen. Die Behandlung kann deshalb mehrere miteinander verbundene Körperbereiche einbeziehen.
Regelmäßige, individuell angepasste Übungen können außerdem dazu beitragen, die erreichte Beweglichkeit und Belastbarkeit zu erhalten. Entscheidend ist, dass die Übungen zu den Beschwerden passen und die Belastung schrittweise angepasst wird.
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Welche physiotherapeutischen Maßnahmen kommen infrage?
Bei einem HWS-Syndrom wird die Physiotherapie individuell zusammengestellt. Grundlage sind die vorhandenen Beschwerden, die Beweglichkeit der Halswirbelsäule und die Tätigkeiten, die momentan Schwierigkeiten bereiten. Einen einzigen Behandlungsplan, der für alle Patienten gleichermaßen geeignet ist, gibt es daher nicht.
Im Mittelpunkt stehen meist aktive Maßnahmen. Der Patient führt Bewegungen und Übungen selbst aus, während der Physiotherapeut auf eine kontrollierte Ausführung und eine passende Belastung achtet. Passive Maßnahmen können die Behandlung ergänzen, sollten das aktive Üben jedoch nicht ersetzen.
Übungen für die Beweglichkeit
Bei eingeschränkter Beweglichkeit können ruhige und kontrollierte Bewegungen der Halswirbelsäule eingesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise vorsichtige Drehungen oder Neigungen des Kopfes. Auch die Schultern, die Schulterblätter und die Brustwirbelsäule können in die Übungen einbezogen werden.
Das Ziel besteht nicht darin, den größtmöglichen Bewegungsumfang zu erzwingen. Die Bewegungen werden so gewählt, dass sie kontrolliert ausgeführt werden können und zur jeweiligen Situation passen. Mit zunehmender Beweglichkeit kann der Umfang allmählich verändert werden.
Pauschale Übungsprogramme eignen sich nicht für jedes Beschwerdebild. Zunächst sollte deshalb geprüft werden, welche Bewegungen eingeschränkt sind und wie der Nacken auf unterschiedliche Bewegungsrichtungen reagiert.
Kräftigung der Muskulatur
Kräftigungsübungen können sich auf die tiefer liegenden Nackenmuskeln, den Schultergürtel und den oberen Rücken richten. Dabei geht es nicht darum, den Nacken möglichst stark anzuspannen. Die Muskulatur soll vielmehr lernen, den Kopf bei Bewegungen und längeren Belastungen besser zu unterstützen.
Je nach Ausgangssituation kann das Training mit kleinen, langsamen Bewegungen oder isometrischen Übungen beginnen. Bei isometrischen Übungen wird die Muskulatur angespannt, ohne dass eine sichtbare Bewegung stattfindet. Später können der Widerstand, die Dauer oder die Zahl der Wiederholungen verändert werden.
Bei länger anhaltenden nicht-spezifischen Nackenschmerzen spielt regelmäßige Bewegungstherapie eine besonders wichtige Rolle. Die Belastbarkeit der Muskulatur entwickelt sich nicht durch eine einzelne Behandlung, sondern durch wiederholtes und passend dosiertes Training.
Koordinationsübungen
Neben der Muskelkraft kann auch die Kontrolle von Bewegungen trainiert werden. Koordinationsübungen sollen das Zusammenspiel von Kopf, Nacken, Schultern und Schulterblättern verbessern.
Dabei kann beispielsweise geübt werden, den Kopf langsam und gezielt zu bewegen, während die Schultern möglichst locker bleiben. Auch die Wahrnehmung der Kopfposition kann trainiert werden. Solche Übungen können hilfreich sein, wenn Bewegungen sehr steif, ungenau oder aus Sorge vor Schmerzen übermäßig vorsichtig ausgeführt werden.
Die Übungen werden zunächst in einfachen Ausgangspositionen erlernt. Später können sie mit Bewegungen der Arme oder mit alltagsnahen Aufgaben verbunden werden.

Übungen für Schultern und oberen Rücken
Nackenbeschwerden betreffen häufig nicht ausschließlich die Halswirbelsäule. Die Beweglichkeit der Brustwirbelsäule, die Führung der Schulterblätter und die Kraft des oberen Rückens können ebenfalls berücksichtigt werden.
Deshalb können Übungen für die Schultern, die Schulterblätter und den oberen Rücken Bestandteil der Physiotherapie sein. Sie sollen das Zusammenspiel der beteiligten Körperbereiche verbessern und den Nacken bei alltäglichen Bewegungen entlasten.
Je nach Übungsziel können dabei die Arme bewegt, die Schulterblätter kontrolliert zusammengeführt oder Bewegungen der Brustwirbelsäule trainiert werden. Der Physiotherapeut passt die Auswahl und Intensität an die vorhandenen Beschwerden an.
Manuelle Therapie
Bei der manuellen Therapie bewegt der Physiotherapeut bestimmte Gelenke oder behandelt Weichteile mit den Händen. Solche Techniken können eingesetzt werden, um eine eingeschränkte Beweglichkeit zu beeinflussen und den Einstieg in aktive Bewegungen zu erleichtern.
Manuelle Therapie sollte jedoch nicht als alleinige Behandlung betrachtet werden. Nach der aktuellen Studienlage kann insbesondere die Kombination aus manueller Therapie und therapeutischen Übungen die Funktionsfähigkeit verbessern. Wie stark Schmerzen dadurch gelindert werden, lässt sich dagegen nicht sicher vorhersagen.
Die Vorstellung, dass bei der Behandlung „verschobene Wirbel wieder an ihren Platz gebracht“ werden, beschreibt die manuelle Therapie nicht korrekt. Ihr Ziel besteht vielmehr darin, Bewegungen gezielt zu unterstützen und die Voraussetzungen für aktives Üben zu verbessern.
Massage und Behandlung der Muskulatur
Eine Massage oder eine sanfte Behandlung angespannter Muskelbereiche kann sich vorübergehend angenehm anfühlen. Dadurch können anschließende Bewegungen leichter fallen.
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Wirkung von Massage bei Nackenschmerzen sind allerdings unsicher. Gegenüber einer Scheinbehandlung zeigte sich in Studien möglicherweise nur ein geringer oder kein bedeutsamer Vorteil. Massage kann daher ergänzend eingesetzt werden, sollte aktive Übungen aber nicht ersetzen.
Wärmeanwendungen
Selbst angewendete Wärme kann bei nicht-spezifischen Nackenschmerzen als ergänzende Maßnahme infrage kommen, wenn sie als angenehm empfunden wird. Möglich sind beispielsweise ein Wärmekissen, eine Wärmflasche oder eine warme Auflage. Dabei sollte die Temperatur so gewählt werden, dass die Haut nicht verletzt wird.
Wärme kann das Gefühl von Steifheit oder Muskelspannung vorübergehend lindern und den Einstieg in Bewegungsübungen erleichtern. Sie kräftigt jedoch keine Muskeln und verbessert allein nicht dauerhaft die Bewegungssteuerung.
Welche Maßnahmen miteinander kombiniert werden, hängt vom individuellen Beschwerdebild ab. Bei einem Patienten können Beweglichkeitsübungen im Vordergrund stehen, bei einem anderen eher Kräftigung oder Koordination. Entscheidend ist, die Reaktion auf die Übungen zu beobachten und die Belastung im weiteren Verlauf anzupassen.
Fazit
Beim HWS-Syndrom gibt es keine Behandlung, die für alle Patienten gleichermaßen geeignet ist. Entscheidend ist, die Beschwerden und mögliche Auslöser möglichst genau einzuordnen und die Physiotherapie an den individuellen Befund anzupassen.
Geduld und Regelmäßigkeit spielen dabei eine wichtige Rolle. Fortschritte entstehen häufig schrittweise, wenn die Belastung passend dosiert und im Verlauf immer wieder an die persönliche Entwicklung angepasst wird.
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